Wir fordern eine Arbeitszeitverkürzung auf 25 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich und ohne Intensivierung der Arbeit. Damit wollen wir verdeutlichen, dass es nicht reicht, die Arbeitsbedingungen im Erwerbssektor zu verbessern – sondern wir mehr Zeit zum Leben brauchen. Mehr Zeit für Sorgearbeit an anderen und an uns selber, mehr Zeit, um uns politisch zu organisieren, für Bildung und Gesundheit.
Um unseren Lebensunterhalt zu verdienen, ackern wir alle zig Stunden am Tag. Einige von uns im Schichtbetrieb, in prekären Arbeitsverhältnissen, am Wochenende und in der Nacht. Insbesondere in migrantisierten und feminisierten Berufen wie in der Pflege, der Reinigung und in der Kinderbetreuung reicht der Lohn kaum zum Leben. An unserer Arbeit bereichern sich Unternehmen und Eigentümer*innen. Kommen wir dann erschöpft nach Hause, fällt jede Menge unbezahlte Care-Arbeit an: Waschen, Kochen, Pflegen, Trösten… Diese Sorgearbeit bleibt zu einem grossen Teil an uns FLINTAs hängen und führt zu einer Doppelbelastung.
Wir sagen: Wir arbeiten nicht länger für die Profite unserer Chef*innen! Wir möchten uns nicht länger krank arbeiten. Wir fordern eine radikale Arbeitszeitverkürzung – für alle. Denn die Care-Arbeit muss fair verteilt, grundlegend neu gedacht und ins Zentrum der Gesellschaft gestellt werden.
Die Arbeitszeitverkürzung umfasst die Abschaffung von Niedriglöhnen durch einen Mindestlohn, der für ein gutes Leben reicht, sowie eine umfassende soziale Absicherung. Das geht Hand in Hand mit dem Ausbau öffentlicher Dienstleistungen, um die Care-Arbeit zu kollektivieren, statt zu individualisieren. Arbeitszeitverkürzung ist die Grundlage eines sozial-ökologischen Umbaus der Gesellschaft und die Voraussetzung eines guten Lebens für alle.
Das Schweizer Gesundheitssystem ist sowohl profit- als auch wettbewerbsorientiert. Die Krankenkassenprämien steigen jährlich drastisch an und ein Ende ist nicht in Sicht. Gleichzeitig wird die Privatisierung von Spitälern vorangetrieben. Dazu kommt, dass Spitäler seit 2012 durch sogenannte “Fallkostenpauschalen”1 organisiert werden – dabei gibt es fixe Beträge für die Behandlung bestimmter Erkrankungen, unabhängig von der tatsächlich nötigen Dauer. Geht das Geld aus, werden die Patient*innen nach Hause geschickt. Dies ist eine weitere Massnahme, um ökonomische Interessen über die Versorgungsqualität zu stellen. Darunter leiden nicht nur die Patient*innen sondern auch die Arbeiter*innen in den Gesundheits- und Betreuungsinstitutionen, bei der Alters- und Kinderversorgung.
Das Schweizer Gesundheitssystem ist ein Zwei-Klassen-System. Es gilt: Profit vor Gesundheit. Wer mehr Geld hat, kann sich auch mehr gesundheitliche Angebote leisten. Um bei der Krankenkassenprämie zu sparen, müssen sich Menschen für einen hohen Selbstbehalt entscheiden. Im Krankheitsfall fallen umso höhere Kosten an. So müssen sich viele Menschen zweimal überlegen, ob sie wirklich zu Ärzt*innen oder in Therapie gehen sollen, da sowohl Krankenkassenprämien als auch Behandlungskosten sehr hoch sind. Zudem steigen die Kosten schneller als die Einkommen und Menschen im Asylsystem werden weitgehend aus der Gesundheitsversorgung ausgeschlossen. Wenn überhaupt, erhalten sie nur die geringste Versorgung. Eine der Profiteurinnen ist die Pharmaindustrie. Durch Monopole erzeugen sie Milliardenprofite – und dies auf Kosten der Menschen, die diese Medikamente dringend benötigen.
Wir sagen: Gesundheit statt Profit. Wir fordern daher eine Gesundheitsversorgung, die nach der Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse organisiert ist. Wir fordern eine kostenlose Gesundheitsversorgung für Menschen im Asylsystem. Wir fordern kostenlose Gesundheitsversorgung für alle. Und dies darf nicht auf Kosten der Arbeiter*innen im Care-Bereich passieren. Ihre Löhne müssen endlich den Wert ihrer Arbeit widerspiegeln und es braucht ein Ende der extremen Belastung für die Arbeiter*innen.
Bemerkung
1 Fallkostenpauschalen regeln, wie viel Geld die Spitäler pauschal für welche Operationen und Behandlungen bekommen. Das Spital bekommt einen fixen Betrag pro Behandlung, egal wie lange Patient*innen bleiben oder wie teuer es am Ende wirklich wird. Das führt dazu, dass Spitäler Patient*innen schnell wieder nach Hause schicken wollen, um Kosten zu sparen.
Wir fordern die Vergemeinschaftung von Wohnraum. Von jedem Wohnraum, für alle. Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Unser Zuhause ist ein zentraler Ort unserer Sorgearbeit, der Arbeit, der Gemeinschaft. Wir fordern, dass wir alle Zugang zu einem Zuhause haben, das von Profit befreit ist und unseren vielfältigen Bedürfnissen und Lebensentwürfen entspricht.
Der Kapitalismus hält den Wohnraum knapp. Wohnungen als profitable Anlage für Immobilienbesitzende und institutionelle Anleger*innen treiben die Mieten in die Höhe und die Qualität nach unten. Die Kommerzialisierung und Privatisierung des öffentlichen Raums bedeutet, dass wir, als die Menschen die dort leben, diesen nicht nach unseren Bedürfnissen gestalten können. Heute ist unser Zuhause nach den Bedürfnissen des Kapitals, nicht nach unseren ausgerichtet.
Wir fordern würdevollen Wohnraum für alle. Das bedeutet auch, dass er von Gewalt befreit werden muss. Lagerunterbringung von Geflüchteten muss abgeschafft werden, das Gefängniswesen grundlegend neu gedacht werden und die privaten vier Wände dürfen nicht mehr die Gewaltfallen sein, die sie durch häusliche Gewalt seit langem sind.
Zu würdevollem Wohnraum gehört auch ein nach unseren Bedürfnissen ausgerichteter öffentlicher Raum. Ein öffentlicher Raum, der barrierefrei ist, unsere Bewegungsfreiheit unterstützt, solidarische Strukturen fördert und die gemeinschaftliche Organisation von Sorgearbeit in den Quartieren durch entsprechende Infrastruktur ermöglicht.
Wir fordern deshalb nicht nur die Vergemeinschaftung von Wohnraum, sondern auch des öffentlichen Raums; jener Räume, in denen wir arbeiten, wo unsere Lebensmittel angebaut werden, wo wir lernen und wo wir Beziehungen pflegen. Wir fordern demnach die Vergesellschaftung des Grundeigentums. Damit wir unsere Umwelt feministisch und ökologisch organisieren können gemeinsam mit allen und für alle, die hier wohnen möchten, jetzt, in Zukunft, egal ob hier geboren oder zugezogen.
Forderungen des feministischen Streikkollektivs Zürich
Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Raum: Die Forderungen des Care-Streiks 2027 setzen dort an, wo das meiste Potential zur Verbesserung unser aller Lebensumstände liegt. Und dort, wo dem ausbeuterischen Wirtschaftssystem am nachhaltigsten geschadet werden kann.
Die Vorbereitungen für den Care-Streik 2027 laufen auf Hochtouren. Das Feministische Streikkollektiv Zürich hat diesen Frühling seine drei Hauptforderungen für das kommende Jahr entschieden: Kostenlose Gesundheitsversorgung für alle, Arbeitszeitverkürzung auf 25 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich und die Vergesellschaftung des Wohnraums.
Mit unseren Forderungen zielen wir konkret auf die grossen ökonomischen und sozialen Missstände, die unser aller Leben betreffen. Wir verlangen nicht weniger als ein radikal besseres Leben für alle.